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Pharaonen

Die wahre Kleopatra
Kleopatra, die ägyptische Königin aus makedonischem Geschlecht, ist die Tochter
des Ptolemaios XII. Sie kommt 69 vor Christus in Alexandria auf die Welt, wird
im Jahre 51 gemeinsam mit ihrem Bruder Ptolemaios XIII. auf den ägyptischen
Thron gesetzt. Doch Kleopatra wird von ihrem Bruder vertrieben, bis ihr 48 vor
Christi Geburt ein anderer Mann die Herrschaft über Ägypten zurückgibt. Dieser
Mann ist niemand anderer als Julius Cäsar, in den sich Kleopatra denn auch
verliebt. Ihr gemeinsamer Sohn Cäsarion soll nach dem Willen seiner Eltern wie
einst Alexander der Große ein unendlich großes Reich regieren. Doch die
Geschichte sieht anderes vor.
Kleopatra geht mit Cäsar nach Rom, aber die Tage glücklicher Zweisamkeit sind
gezählt. Cäsar wird bekanntlich ermordet, Kleopatra eilt zurück nach Ägypten, wo
sie Cäsarion zu ihrem Mitregenten erhebt. Danach betritt Marc Antonius die
Lebensbühne der ägyptischen Königin, die von Bob Brier als genaues Gegenteil
einer femme fatale beschrieben wird: Klug, selbstbewusst, gefühlsbetont. Die
Liebe zu Marc Antonius verläuft nicht gerade wunschgemäß. Obwohl Kleopatra
Zwillinge zur Welt bringt, heiratet ihr Geliebter eine andere. Erst Jahre
später, als Marc Antonius den Reichtum Ägyptens braucht, um seine Rivalen in Rom
aus dem Weg zu schaffen, kommt das Paar wieder zusammen, um schließlich
gemeinsam in den Tod zu gehen.
Octavian, der Widersacher Marc Antonius', gewinnt die Schlacht von Actium. Der
unterlegene Römer stürzt sich in sein Schwert, Kleopatra lässt sich von einer
Kobra beißen, um sich nicht als Sklavin durch Rom schleppen lassen zu müssen.
Octavian schickt seine Schergen auch nach Kleopatras Kindern aus. Cäsarion wird
wie sein Vater erstochen. Von den Zwillingen überlebt nur Selene. Als Kleopatra
stirbt, ist sie 39 Jahre alt. Nach ihrem Tod verfällt Alexandria rapide, das
ägyptische Reich entschwindet in die Bedeutungslosigkeit.
Nofretete

Mumie 61072
Joann Fletcher, Wissenschaftlerin an der Universität von York, konnte im
Juni 2002 gemeinsam mit Kollegen das Grab "KV35" im Tal der Könige bei Luxor
untersuchen, das 1898 schon einmal geöffnet, 1907 aber wieder zugemauert worden
war.
Eine Mumie hatte das besondere Interesse des Forscherteams geweckt, da sie auf
alten Fotos starke Ähnlichkeit mit der berühmten Berliner Nofretete-Büste
aufwies.
Die als "Nr. 61072" katalogisierte Mumie liegt gemeinsam mit den mumifizierten
Körpern einer weiteren Frau und eines Jungen in einem Seitentrakt der Grabkammer
von Amenophis II. Dort hatte sie der französische Archäologe Victor Loret Ende
des 19. Jahrhunderts bereits entdeckt. Doch wegen ihres schlechten Zustands
wurde ihnen lange Zeit kaum Beachtung geschenkt.
Erst jetzt - nach neuerlicher Auswertung vieler Details - gelangte das britische
Wissenschaftlerteam um Dr. Fletcher zu der Annahme, dass es sich bei der "Mumie
61072" mit großer Wahrscheinlichkeit um die sagenumwobene Herrscherin Nofretete
handelt.
Nofretetes Leichnam entdeckt?
Indizien dafür, dass es sich bei der "Wiederentdeckung" um den Leichnam
Nofretetes handelt, sind für die britischen Wissenschaftler das doppelt
durchstochene Ohrläppchen der Mumie, das sie als Mitglied der Königsfamilie
ausweist, Abdrücke eines goldenen Stirnbandes, das in dieser Form ebenfalls nur
von Mitgliedern des königlichen Clans getragen wurde, sowie der kahl geschorene
Schädel – für Fletcher eine Voraussetzung dafür, dass eine Krone wie die
berühmte blaue Kappe der Nofretete perfekt sitzt.
Bei der Mumie, die unter einem Berg von Leinenstoff
lag, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest um eine weibliche
Königsfigur der Amarna-Periode, so die erste Einschätzung des britischen
Forscher-Teams.
Der lange Schwanenhals, die hohen Wangenknochen und das markante Kinn erinnern
an das noble Profil der Nofretete. Auch eine bereits früher in der Nähe des
mumifizierten Körpers gefundene Perücke deute darauf hin, dass die Mumie und die
schöne Herrscherin vom Nil identisch sind, so Fletcher. Es handelt sich um eine
künstliche Haarpracht im Nubischen Stil, wie sie zur Zeit der späten 18.
Dynastie von Frauen der königlichen Familie bevorzugt getragen wurde.
Auch die bei der Einbalsamierung der drei namenlosen Leichname im Grab "KV35"
angewandte Technik, die verwendeten Materialien und die Art der Mumifizierung
sprechen für die Datierung in die mittlere bis späte 18. Dynastie, der
Regierungszeit von Pharao Echnaton und seiner Gemahlin. Zu diesem Ergebnis kam
Dr. Stephen Buckley, der als weltweit anerkannter Experte auf diesem Gebiet an
den Untersuchungen beteiligt war.
Spuren von Gewalt

Der vermeintliche Leichnam Nofretetes weist Spuren schwerer Gewalteinwirkung
auf, die scheinbar mit Hilfe einer Axt oder einer Art Machete ausgeführt wurde.
So fehlt der Mumie etwa das rechte Ohr und ein Arm, der bei einer zweiten
Expedition des britischen Forscherteams im Februar 2003 gefunden wurde. Da für
Joann Fletcher vieles dafür spricht, dass Nofretete misshandelt und ermordet
wurde, könnten die Verletzungen ein weiteres Puzzleteil sein, das zusammen mit
anderen Details schließlich zur Identifizierung des Leichnams führt. Der
gewaltsame Tod der Königin, so die Ägyptologin, könnte die Rache des Volkes
dafür gewesen sein, dass sie sich gemeinsam mit Pharao Echnaton von der alten
Religion abwandte.
Weitere Untersuchungen der Mumie offenbarten, dass ihr Gesicht mit einem sehr
scharfen Gegenstand - vielleicht einem Dolch - attackiert worden war. Dies
bestätigt die These, dass hier eine verhasste Herrscherin gefoltert oder ihre
Leiche geschändet worden war.
Der
später entdeckte rechte Arm der Mumie war in abgewinkelter Position nach oben
gebunden worden. Die Finger schienen noch immer ein königliches Zepter zu
umschließen, das jedoch längst verschwunden war. Nur Pharaonen durften im Alten
Ägypten auf diese Weise zur ewigen Ruhe gebettet werden. Da Nofretete von
einigen Forschern als weiblicher Pharao eingestuft wird, könnte dies ein
weiteres Indiz sein.
Familiengrab
Einen weiteren Anhaltspunkt bietet einer der beiden Körper, die neben der
"Mumie 61072" in der Grabstätte lag: es scheint der einbalsamierte Leichnam von
Königin Teje (auch: Tiy) zu sein. So lautet zumindest das Ergebnis verschiedener
Haaranalysen, die von amerikanischen und ägyptischen Wissenschaftlern in den
1970er Jahren ausgewertet worden waren. Teje war die Gemahlin Amenhoteps III.
sowie die Mutter Echnatons und damit ein enges Familienmitglied Nofretetes.
Ewiges Geheimnis?
Einige Forscher zeigen sich jedoch skeptisch. Ihrer Meinung nach beruhen die
Interpretationen Fletchers und ihrer Kollegen auf zu wenigen Indizien. Bei dem
für die Forschung wieder entdeckten Fund könnte es sich beispielsweise auch um
eine Tochter Nofretetes handeln, die als geheimnisvoller weiblicher Pharao
gelebt haben soll, so die Skeptiker.
Trotz eingehender Untersuchungen gibt die über 3.000 Jahre alte Mumie mit der
Nummer 61072 also weiterhin Rätsel auf. Letztlich kann nur ein DNA-Abgleich das
Geheimnis des Leichnams lüften. Doch bisher wurden keine Überreste von
Nofretetes Kindern oder anderen nahen Verwandten gefunden – genetische
Untersuchungen sind somit noch nicht möglich
Amenophis III.
sorgte während seiner Regierungszeit von 1386 bis 1349 vor Christus für eine
Friedensperiode, in der Kunst und Architektur eine Blüte erlebten. Mit
diplomatischem Geschickt sorgte er für ein Gleichgewicht der Kräfte mit den
ägyptischen Nachbarstaaten. Der Bau des großen Amuntempels in Luxor ist mit
seinem Namen verbunden. Zusammen mit seiner Ersten Frau Tiy hatte Amenophis III.
sechs Kinder, vier Mädchen und die beiden Söhne Thutmosis und Amenophis IV.
Bemerkenswerterweise fehlte Amenophis IV. auf jeder Abbildung der königlichen
Familie.
Nach dem Tod von Thutmosis setzte Tiy alles daran,
ihren Sohn Amenophis IV auf den Thron zu bringen, denn auch die Nebenfrauen von
Amenophis III. hatten mögliche Stammhalter geboren. Als Amenophis IV. die
Nachfolge antrat, nannte er sich selbst in Echnaton um. Der neue Pharao war ein
religiöser Reformer, der sich der Macht der Amunpriester widersetzte. Echnaton
verließ die Hauptstadt Theben und gründete die Hauptstadt Amarna zu Ehren des
Sonnengottes Aton, der im Zentrum seiner monotheistischen Religion stand. Damit
wurde der Pharao zu einem religiösen Führer, der seine Glaubensanhänger um sich
scharte. An seiner Seite hatte Echnaton mittlerweile auch seine Frau Nofretete,
die sechs Kinder gebar.
Die Priesterschaft in Theben lehnte jedoch die monotheistische Religion des
Pharaos ab. Und auch die Handwerker protestierten heftig, schließlich lebten sie
davon, Devotionalien für die bis dahin zahlreichen ägyptischen Götter
herzustellen. Doch Echnaton brach nicht nur mit der religiösen Tradition,
sondern auch mit dem Kunstverständnis seiner Zeit. Jahrhunderte lang hatte man
den Pharao in seinem Glanz und seiner Glorie abgebildet: Er war zumindest als
Statue eine schöne Erscheinung und hatte einen wohlgeformten Körper.
Echnaton lehnte jede geschönte Darstellung ab. Und so
entstanden erstmals Statuen und Portraits mit den wahren Zügen der
Königsfamilie. Echaton war derart mit seinen religiösen Neuerungen beschäftigt,
dass er die weltlichen Staatsgeschäfte vernachlässigte. Das einst blühende
Ägypten drohte nach und nach zu zerfallen. Nach dem Tod seiner Frau Nofretete
ging es auch mit Echnaton dahin. Er starb im Alter von 35 Jahren. Neueren
Erkenntnissen der Wissenschaft zufolge könnte Echaton an einer
Bindegewebsschwäche gelitten haben, die auch als Marfan- Syndrom bekannt ist.
Dies würde erklären, weshalb der Pharao in späteren Jahren stets deformiert
abgebildet worden ist. Auch US- Präsident Abraham Lincoln soll diese Krankheit
gehabt haben.
Knapp einhundert Jahre nach Echnatons Tod predigte Moses, dass es nur einen Gott
gebe. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Nachfolger Echnatons allerdings schon
wieder dessen religiöse Erneuerung nach und rückgängig gemacht. Und sein
Schwiegersohn Tutenchamun hatte Theben erneut zur Hauptstadt bestimmt.
Mumifizierung
Mumie des Ritter
Kahlbutz
Wenn ein Organismus stirbt, beginnen Bakterien den Körper von innen zu
zersetzen. Doch es gibt natürliche Mechanismen und von Menschenhand entwickelte
Techniken, die den unvermeidlichen Verfallsprozess stoppen.
Im Eis erfroren
Mitte des 19. Jahrhunderts brach eine Expedition auf, um einen Schiffsweg durch
den Norden Kanadas zu suchen - die berüchtigte Nordwestpassage. Die Abenteurer
kehrten nie von ihrer Reise zurück. 150 Jahre später stießen Wissenschaftler auf
die Gräber dieser wagemutigen Männer. Ihre Leichen, die seit 150 Jahren im
ewigen Eis ruhen, sind äußerlich unversehrt. Der Permafrostboden hat ihren
Zerfall verhindert. Sollten die Eisleichen jemals auftauen, würde ihr Gewebe
sofort zu einer breiigen Masse zusammenfallen.
Die Eisleichen - ein Produkt des Zufalls. Doch auch außerhalb der Polargebiete
lassen sich Menschen nach ihrem Ableben einfrieren - absichtlich - getrieben von
dem Wunsch nach ewigem Leben. Sie hoffen, dass Wissenschaftler eines Tages in
der Lage sein werden, die von den Eiskristallen zerstörten Zellen zu reparieren
und den Verstorbenen wieder zum Leben zu erwecken.
Mumifiziert
Im Norden Perus, an der Pyramide El Brujo, stießen Archäologen auf den größten
Mumienfund in Südamerika: 300 Mumien, viele von ihnen in Baumwolle gewickelt.
Offenbar wurden die Verstorbenen von ihren Hinterbliebenen ganz bewusst in
Baumwolle gebettet, denn hier wächst eine naturfarbene Baumwolle mit
antiseptischer Wirkung. Sie wirkte dem Verfall der Leichen entgegen. Ein Effekt,
auf den die Hinterbliebenen aus gutem Grund hofften, da sie die Toten von Zeit
zu Zeit konsultieren um sie um Rat zu fragen. Aus diesem Grunde wurden die
Verstorbenen auch nur knapp unter der Erdoberfläche beigesetzt.
Balsamierung
Auch im alten Ägypten wirkten lange Zeit natürliche Kräfte, die die Toten
konservierten – bis die Menschen die Mumifizier durch die Natur störten: Denn
über Jahrhunderte hinweg hatten die alten Ägypter ihre Toten im Wüstensand
beigesetzt. Das heiße, trockene Klima dörrte die Leichen aus und machte sie
damit haltbar. Doch mit der Entwicklung der ägyptischen Hochkultur wurden auch
die Bestattungsriten immer aufwändiger. Gemauerte Gruften und hölzerne Särge
sollten die Toten vor der sengenden Sonne und dem Wüstensand schützen - mit
verheerenden Folgen: Die Leichen wurden nicht länger von Sand und Sonne
konserviert und zerfielen in ihren Gräbern. Für den ägyptischen Totenkult eine
Tragödie. Denn die Ägypter glaubten an ein Leben nach dem Tod. Doch dazu musste
der Körper unversehrt sein. Nur so würde die Seele in den Körper zurückfinden.
Also entwickelten sie Balsamierungstechniken, die die Zersetzung des Leichnams
verhinderten: Die Toten wurden mumifiziert. Die Einbalsamierer haben keine
schriftlichen Aufzeichnungen ihrer Kunst hinterlassen. Erst 450 vor Christus
reiste der griechische Geschichtsschreiber Herodot durch Ägypten und notierte
das Mumifizierungsritual.
Experiment
In den 1990er Jahren versuchen Pathologen, die alte Kunst der Mumifizierung
anhand historischer Dokumente nachzuvollziehen: Sie mumifizieren den Leichnam
eines 76 jährigen Mannes, der seinen Körper nach dem Tod der Wissenschaft
vermacht hatte. Die Pathologen folgten den Anweisungen Herodots Schritt für
Schritt, und nach sechs Jahren wagten sie einen ersten Test. Das
Computertomogramm und die Gewebeproben ergaben: Der Leichnam war in tadellosem
Zustand. Das Experiment ist offensichtlich geglückt.
Die wahre Zukunft der Mumie liegt jedoch im Cyberspace: Amerikanische
Wissenschaftler haben eine virtuelle Mumie entwickelt, das ideale Modell für
Forschung und Lehre: Medizinstudenten üben an diesem virtuellen Patienten
schwierige chirurgische Eingriffe, und Wissenschaftler entwickeln mit Hilfe
dieser Mumie neue Technologien. Fortschritt im Interesse des Menschen – ohne je
einen Menschen zu gefährden.

Ägypten im Jahr 1917: Howard
Carter und sein Finanzier Lord Herbert Carnarvon graben sich bei brütender Hitze
durch Tonnen von Steinen und Schutt. Hier – im Tal der Könige – hatte Carter
einige Jahre zuvor einen Fayencebecher mit dem Siegel Tut-ench-Amuns gefunden.
Seitdem träumt er davon, das Grab des legendären Pharao zu entdecken. Fünf lange
Jahre finden Carter und seine ägyptischen Helfer nichts. Doch der Brite gibt
nicht auf, schließlich fehlt ihm nur noch ein einziges Planquadrat. Entschlossen
reist er nach England und überredet Lord Carnarvon, ihn ein letztes Mal zu
finanzieren.
Stufe im Wüstensand
Anfang November 1922 findet der achtjährige Wasserträger der Grabungsexpedition
eine Stufe im heißen Wüstensand. Carter und seine Helfer legen weitere Stufen
frei, die zu einer Tür führen. Sie trägt das Siegel der Totenstadt.
Ein leeres Grab?
Allerdings entdecken Carter und Carnarvon auch Spuren eines Einbruchs. Das Grab
wurde geplündert und neu versiegelt. Ist es, wie so viele andere der im Tal der
Könige gefundenen Grabstätten, leer? Am Ende des dahinterliegenden Ganges stehen
die Engländer vor einer zweiten Tür. Auch sie ist nicht unversehrt. Mit Hammer
und Meißel schlagen die beiden eine kleine Öffnung in die linke obere Ecke.
Goldene Pracht im Kerzenlicht
Carter wagt den ersten Blick. Die goldene Pracht, die er im schummrigen
Kerzenlicht erkennen kann, überwältigt ihn. Hunderte von kostbarsten
Grabbeigaben sind in der Kammer angehäuft: Götterstatuen, Kisten, der Thron des
Königs, Schmuck – ein Jahrhundert-Fund. Das Grab des Tut-ench-Amun ist das
einzige ungeplünderte Pharaonengrab, das jemals gefunden wurde.
Wo ist die Mumie?
Zwischen all den Kostbarkeiten des Grabes fehlt das Entscheidende: die Mumie.
Die befindet sich erst in einem zweiten Raum, der eigentlichen Sargkammer.
Carter und Carnarvon haben bisher nur die Vorkammer entdeckt. Ägyptische Helfer
und Soldaten transportieren die Jahrtausende alten Schätze ins Kairoer
Nationalmuseum, wo sie für die Nachwelt ausgestellt werden – auch heute noch
kann man sie dort bewundern.
Attraktion Pharaonengrab
Der Fund des Pharaonengrabes macht Howard Carter weltberühmt. Reporter,
Fotografen und Kameraleute belagern den Grabeingang. Das Gold des Tut-ench-Amun
ist die Attraktion schlechthin.
Im Februar 1923 ist die Vorkammer endlich leer geräumt. Carter und Carnarvon
dringen bis zur Sargkammer vor. In deren Mitte steht ein goldener Schrein. Als
die beiden Engländer die Türen öffnen, finden sie ein unversehrtes Siegel. Sie
beschließen, es an diesem Tag noch nicht aufzubrechen. Kurze Zeit darauf stirbt
Lord Carnarvon. Doch Carter lässt sich durch den Tod seines Finanziers und
Freundes nicht beirren. Er will den Leichnam Tut-ench-Amuns enthüllen. Im
Inneren des Schreins findet er drei ineinandergestapelte Särge. Im dritten ruht
seit über 3.200 Jahren der Leichnam des Pharao – den Schädel mit der berühmten
goldenen Maske bedeckt. Dessen Totenruhe stört Carter brutal: Mit Hammer und
Meißel zerhackt er die Mumie. Der Grund: Die harzigen Salböle der Balsamierer
hatten sich im Laufe der Zeit verhärtet und mit dem Sarg verbunden. Deswegen
steckte die Mumie felsenfest.

Das Ende von Tut-ench-Amun gilt als der spannendste Kriminalfall der Antike.
Seit der Engländer Howard Carter 1922 das Grab des Pharaos entdeckt hat, reißen
die Spekulationen um dessen Tod nicht ab. Denn der Gottkönig starb bereits im
Alter von 18 Jahren. Und das war selbst für die damaligen Ägypter, die
durchschnittlich nur 35 Jahre alt wurden, reichlich früh.
Dreh- und Angelpunkt des Expertenstreites sind Röntgenaufnahmen von 1968.
Britische Radiologen hatten den Pharao mehr als 40 Jahre nach Howard Carter
nochmals aus seinem goldenen Grab gehoben. Mit tragbaren Röntgengeräten machten
sie Aufnahmen von Schädel, Brustkorb und Rücken. Als die Aufnahmen entwickelt
waren, machten die Wissenschaftler eine faszinierende Entdeckung.

Knochensplitter im Inneren des
Schädels
Als britische Wissenschaftler 1968 die Mumie Tut-ench-Amuns erneut untersuchen,
finden sie nur noch zerrissene Fragmente vor. Dennoch röntgen sie die
Einzelteile. Als die Aufnahmen des Schädels entwickelt sind, entdecken die
Experten einen Knochensplitter in der linken oberen Schädelhälfte. Die Theorie
der Wissenschaftler: Der Knochen könnte bei einem Schlag auf den Hinterkopf
abgesplittert sein.
War es Mord?
Der amerikanische Mumienexperte Bob Brier ist einer der prominentesten Vertreter
der Mordtheorie. Er glaubt, dass Tut-ench-Amun im Schlaf durch einen schweren
Schlag auf den Hinterkopf getötet wurde. Brier meint auch den Täter zu kennen:
Seiner Meinung nach war Eje, der Erzieher und erste Minister von Tut-ench-Amun,
der Mörder. Denn Eje war ein Bürgerlicher, der Absichten auf den Thron hegte.
Nach Tut-ench-Amuns Tod wurde er tatsächlich dessen Nachfolger – weil er die
Witwe des Pharaos, Anchesenamun, heiratete.
Es fehlen die Beweise
Renate Germer, die renommierteste deutsche Mumienforscherin, zweifelt an der
Mordtheorie. Denn die Datenlage ist bisher so schlecht, dass die tatsächlichen
Vorgänge am Ende der 18. Dynastie unklar bleiben. Fakt ist lediglich: Eje wurde
tatsächlich Pharao. Aber ob er das nur wurde, weil er seinen Zögling
Tut-ench-Amun umbrachte, kann kein Wissenschaftler stichhaltig beweisen.
Starb Tut-ench-Amun an einer Krankheit?
Auch die Röntgenbilder deutet Renate Germer völlig anders als ihr Kollege: Der
Knochensplitter rührt ihrer Meinung nach nicht von einem Schlag auf den
Hinterkopf. Sie glaubt vielmehr, dass der Knochen im Verlauf der Balsamierung in
den Schädel hineingelangt ist. Denn die Balsamierer durchstießen mit etwa 40
Zentimeter langen Bronzehaken die Siebbeinplatten, die Nase und vordere
Schädelbasis verbinden. So konnten sie am leichtesten das Gehirn des Toten
entfernen – eine Notwendigkeit für den Balsamierungsprozess. Renate Germer ist
der Meinung, dass Tut-ench-Amun eines natürlichen Todes gestorben ist. Und zwar
an einer der Krankheiten, die im damaligen Ägypten sehr verbreitet waren:
Malaria oder der Wurmkrankheit Bilharziose.
Anhand der Röntgenbilder der Mumie stellen amerikanische Röntgenspezialisten vor
wenigen Monaten eine völlig neue These auf: Tut-ench-Amuns Wirbelsäule sei sehr
stark verkrümmt. Deswegen habe er wahrscheinlich an Skolliose, also
Rückgratverkrümmung, gelitten.
War Tut-ench-Amun ein Krüppel?
Außerdem seien die Halswirbel miteinander verschmolzen – das deute auf das
seltene Klippel-Feil-Syndrom hin. Menschen, die an Klippel-Feil leiden, haben
häufig einen Kurzhals. Ihre Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt: Wenn sie
etwa den Kopf drehen wollen, müssen sie den ganzen Oberkörper bewegen. Und weil
Tut-ench-Amun so hinfällig und schlecht zu Fuß gewesen sei, könnte er auch ganz
banal gestorben sein: durch einen tödlichen Sturz auf den Hinterkopf.
Skelettschäden durch Mumifizierung
Auch diese Theorie hält die Ägyptologin Renate Germer für nicht beweisbar. Denn
die Mumienforschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass eine Verkrümmung der
Wirbelsäule von der Mumifizierung herrühren kann. Die Balsamierungssubstanzen
verändern nämlich die optische Dichte der Bandscheiben.
Hoffen auf die ägyptische Antikenverwaltung
Der frühe Tod des Pharaos wird die Wissenschaftler noch eine Weile beschäftigen.
Denn die einzigen Beweise, die es gibt, sind alte Röntgenaufnahmen von 1968. Und
die lassen sich völlig unterschiedlich interpretieren. Eine Hoffnung haben alle
Mumienforscher und Ägyptologen: Vielleicht lässt die ägyptische
Antikenverwaltung in den nächsten Jahren eine erneute Untersuchung von
Tut-ench-Amun zu. Aufnahmen mit einem tragbaren Computertomographen und eine
Erbgutanalyse könnten Licht in das Dunkel bringen. Bis dahin kann der
spannendste Mordfall der Antike jedoch nicht gelöst werden.
Grabkammer des
Tut-ench-Amun
Hatschepsut
Mehr als ein
Jahrtausend lang hatten Männer das Alte Ägypten regiert, doch dann griff eine
Frau nach dem Thron: Die ägyptische Königin Hatschepsut, Gemahlin ihres
Stiefbruders Thutmosis II. In dieser Episode der Dokumentarreihe über die Großen
Ägypter wird die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau erzählt.
Der Franzose Jean
Francois Champollion begründete Anfang des 19. Jahrhunderts die Ägyptologie. Er
hatte bewiesen, dass die ägyptische Hieroglyphenschrift eine Lautschrift ist.
Und Champollion war es auch, der erstmals seit rund 2.000 Jahren wieder den
Namen Hatschepsut entzifferte, und zwar in der Tempelanlage Deir el-Bahari in
Theben-West.
Hatschepsuts Vater war Pharao Tuthmosis I., der in der Wüste bei Theben das Tal
der Könige anlegen ließ. Die Pharaonen der 18. bis 20. Dynastie lagen in diesem
Tal begraben, unter anderem auch Tut-ench-Amun, dessen Sarkophag 1922 entdeckt
wurde. Tuthmosis I. und seine Königin hatten fünf Kinder, von denen jedoch nur
eines die Eltern überlebte: Hatschepsut.
Tempel von Deir el-Bahari
Den Nachfolger eines
Pharaos zu bestimmen war nie leicht und endete oft in Machtkämpfen und Intrigen.
Die altägyptische Sprache hatte kein Wort für Königin. Die Ehefrau eines Pharaos
war stets die Erste Frau des Königs. Denn der Pharao hatte zahlreiche
Nebenfrauen und Konkubinen, die Königskinder gebaren. Die Thronfolge trat aber
in der Regel der erstgeborene Sohn der Ersten Frau an. Nur wenn es aus dieser
Beziehung keinen Stammhalter gab, konnte auch der Sohn einer Nebenfrau zum
Pharao ernannt werden.
Hatschepsut war zwölf Jahre alt, als ihr Vater starb. Das Mädchen wurde deshalb
mit ihrem Halbbruder Tuthmosis II. verheiratet, damit dieser als König regieren
konnte. Hatschepsut war als Erste Frau des Pharaos Königin. Die Regentschaft von
Tuthmosis II. war unspektakulär und als er starb, übernahm Hatschepsut selbst
die Verantwortung für Ägypten. Sie war damals 32 Jahre alt und Mutter einer
kleinen Tochter. Sie regierte von 1490 bis 1468 vor Christus Ihr erstes
Bauvorhaben war der Tempel von Deir el-Bahari.
Hatschepsut stand ein
Mann zur Seite, der kein königliches Blut in sich trug: Senmut. Er war nicht nur
der Lehrmeister von Hatschepsuts einziger Tochter, sondern wurde auch
Oberaufseher sämtlicher Bauvorhaben der Regentin. Die Macht Hatschepsuts schien
jedoch nach rund sieben Jahren ein Ende zu haben, denn ihr Stiefsohn Tuthmosis
III. war nun alt genug, um die Herrschaft über Ägypten selbst zu übernehmen.
Tuthmosis III. war der Sohn einer Nebenfrau von Hatschepsuts verstorbenen
Ehemann.
Hatschepsut schuf einen
Präzedenzfall, um unabhängig von ihrem Stiefsohn an der Macht zu bleiben. Sie
ernannte sich kurzerhand selbst zum König und trug fortan einen falschen Bart
und das typische Gewand der Pharaone. Das Volk akzeptierte die Ernennung, weil
Hatschepsut eine gute Regentin war. Und Tuthmosis konnte sich ohnehin mehr für
den Militärdienst begeistern.
Erst als Hatschepsut
starb, übernahm Tuthmosis III. die Regentschaft als Pharao. Er machte sich als
Feldherr einen Namen und erweiterte das Einflussgebiet Ägyptens durch
Eroberungen. Nach zwei Jahrzehnten allerdings ließ Tuthmosis III. die Geschichte
umschreiben, in dem er den Namen von Hatschepsut von allen Bauwerken entfernen
ließ, nur nicht an der Tempelanlage Deir el-Bahri.
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